Archiv für die Kategorie ‘Präsenz’

Präsenz 21.05.08

Mai 21, 2008

Halsschmerzen und ein allgemeines Schlappheitsgefühl bewirkten, dass ich mich mehr oder weniger durch den Tag schleppte. Diese allgemeine Schwäche bewirkte auch, dass ich mich leichter in Gedanken verlor und weniger präsent war. Dennoch ergab sich eine Phase am Nachmittag, während der ich weitgehend bei mir war, dabei aber auch sogleich müde wurde und Lust bekam, einzuschlummern. Es war, als würde die Präsenz meinen Körper an sein nächstliegendes Bedürfnis erinnern.

Präsenz 20.05.08

Mai 20, 2008

Die präsenteste Phase des heutige Tages ist der Fußweg von der U-Bahnstation nach hause. Ich war früher ausgestiegen, weil ich noch eine Weile gehen wollte. Das schöne Wetter erleichtert es mir, mich sanft zu fühlen und keine Eile aufkommen zu lassen.

Präsenz 19.05.08

Mai 19, 2008

Am frühen Abend unternehme ich einen Spaziergang. Es ist recht kühl und ich fröstele ein wenig unter meiner dünnen Jacke. Dennoch spüre ich, wie die Kühle Klarheit in mir aufkommen lässt. Jegliche gedankliche Beschäftigung mit den Anstrengungen und Wirrungen des vergangenen Tages fällt von mir ab. Das geschieht ganz plötzlich und ist tatsächlich wie ein “Abfall”.

Präsenz 16.05.08

Mai 17, 2008

Nach dem Sport fahre ich mit dem Fahrrad nach hause, schiebe allerdings die letzte Strecke, weil ich lieber gehen möchte. Ich bewege mich sanft und entspannt, und komme mir wie mit meiner Umwelt verschmolzen vor. Oder auch wie eine Spielfigur in einem Spiel, die irgendwelche Dinge tut (etwa geht und schaut), aber eigentlich nur nach ein paar einfachen Regeln funktioniert - und deren Haupteigenschaft darin besteht, Teil des Spiels zu sein.

Hülsenhaftigkeit und Präsenz 16.05.08

Mai 16, 2008

Der heutige Tag war eine einzige zähe Dahinschlepperei. Es ging damit los, dass ich aufwachte und gar nicht richtig ausgeschlafen war. Ein erkennbarer Grund lag nicht vor. Auf dem Weg zur Arbeit ergab es sich dann, dass eine U-Bahn-Linie wegen eines technischen Defekts zeitweise blockiert war, und ich mich sputen musste, um einigermaßen rechtzeitig zur Arbeit zu erscheinen. Es entwickelte sich dabei aber keine Hektik, sondern ein schwerfälliger Missmut, der wohl bereits vorher vorhanden gewesen war, sich jetzt aber verstärkte. Als nächstes ergab es sich, dass zwei Unterichtsstunden, die eigentlich abgesagt gewesen waren, nun plötzlich doch stattfinden sollten, und ich improvisieren musste, was das Ganze doppelt anstrengend machte. Das hatte aber nicht den Effekt - wie so oft bei unerwarteten Herausforderungen -, dass ich dadurch wacher und lebendiger wurde, sondern es multiplizierte meinen Missmut und damit meine Energielosigkeit um ein weiteres.

Und so schleppte sich der Tag dann weiter: Am späten Nachmittag schaute ich bei M. vorbei um dort etwas zu essen, und lief dort dann auch J. in die Arme, mit dem sich dann ein von meiner Seite aus eher gequältes Gespräch ergab, so dass ich dort länger sitzenblieb als geplant. Ich hätte das Ganze natürlich abkürzen können, hätte aber in diesem Moment gar nicht gewusst, wozu, denn - und das war die Quintessenz des Tages - meine müde Hülsenhaftigkeit war das einzig Greifbare an mir.

Am Abend in der Straßenbahn auf dem Weg nach hause ergriff mich auf einmal eine ganz tiefe Panik. Es stand mir so direkt vor Augen wie selten, wie sinnlos und leer all meine Aktivitäten wirklich sind. Da ist nichts, was irgendeine Bemühung wirklich lohnen würde. Jede Bemühung ist dabei nämlich nichts anderes als eine leere Reaktion auf einen leeren Reiz. Kurz danach wiederum, auf dem Fußweg von der Haltestelle nach hause stellte sich dann plötzlich (wenn auch nur kurzzeitig) jenes Glücksgefühl ein, das häufig den Zustand der Präsenz begleitet. Ausgelöst wurde es durch den leicht einsetzenden Regen und das im diffusen Licht besonders saftig wirkende Grün irgendwelcher Bäume und Sträucher.