Der heutige Tag war eine einzige zähe Dahinschlepperei. Es ging damit los, dass ich aufwachte und gar nicht richtig ausgeschlafen war. Ein erkennbarer Grund lag nicht vor. Auf dem Weg zur Arbeit ergab es sich dann, dass eine U-Bahn-Linie wegen eines technischen Defekts zeitweise blockiert war, und ich mich sputen musste, um einigermaßen rechtzeitig zur Arbeit zu erscheinen. Es entwickelte sich dabei aber keine Hektik, sondern ein schwerfälliger Missmut, der wohl bereits vorher vorhanden gewesen war, sich jetzt aber verstärkte. Als nächstes ergab es sich, dass zwei Unterichtsstunden, die eigentlich abgesagt gewesen waren, nun plötzlich doch stattfinden sollten, und ich improvisieren musste, was das Ganze doppelt anstrengend machte. Das hatte aber nicht den Effekt - wie so oft bei unerwarteten Herausforderungen -, dass ich dadurch wacher und lebendiger wurde, sondern es multiplizierte meinen Missmut und damit meine Energielosigkeit um ein weiteres.
Und so schleppte sich der Tag dann weiter: Am späten Nachmittag schaute ich bei M. vorbei um dort etwas zu essen, und lief dort dann auch J. in die Arme, mit dem sich dann ein von meiner Seite aus eher gequältes Gespräch ergab, so dass ich dort länger sitzenblieb als geplant. Ich hätte das Ganze natürlich abkürzen können, hätte aber in diesem Moment gar nicht gewusst, wozu, denn - und das war die Quintessenz des Tages - meine müde Hülsenhaftigkeit war das einzig Greifbare an mir.
Am Abend in der Straßenbahn auf dem Weg nach hause ergriff mich auf einmal eine ganz tiefe Panik. Es stand mir so direkt vor Augen wie selten, wie sinnlos und leer all meine Aktivitäten wirklich sind. Da ist nichts, was irgendeine Bemühung wirklich lohnen würde. Jede Bemühung ist dabei nämlich nichts anderes als eine leere Reaktion auf einen leeren Reiz. Kurz danach wiederum, auf dem Fußweg von der Haltestelle nach hause stellte sich dann plötzlich (wenn auch nur kurzzeitig) jenes Glücksgefühl ein, das häufig den Zustand der Präsenz begleitet. Ausgelöst wurde es durch den leicht einsetzenden Regen und das im diffusen Licht besonders saftig wirkende Grün irgendwelcher Bäume und Sträucher.