Neid
März 20, 2008Gestern Abend war ich zum Abendessen bei A. geladen, wo ich seine neue Freundin kennenlernte, sowie einige ihrer Freunde, die ich ebenfalls noch nicht kannte. Es war eine angenehme Runde, die aber einen komischen Nachgeschmack bei mir hinterließ.
Der gesamte Kreis bestand aus erfolgreichen Ärzten, Anwälten, usw., und auf entsprechendem Niveau bewegten sich dann auch die Gespräche, d.h.: intellektuell geprägt, von “gutem Geschmack” zeugend, usw.. Zudem ist A.´s neue Freundin eine sehr niveauvolle, angenehme Persönlichkeit, die in einem Orchester Geige spielt und mich sehr durch ihre feine Art beeindruckte. Der Punkt an der ganzen Sache: Irgendwann stellte ich mit Erschrecken fest, dass ich mich angesichts dieses illustren Kreises irgendwie schäbig oder gar minderwertig fühlte. Ich kenne derartige Gefühle nicht von mir, aber es stellte sich tatsächlich so etwas wie Neid ein, angesichts dieser Menschen, die scheinbar ein erfolgreiches, interessantes, ausgefülltes Leben führen - Leute, die offenbar nicht an sich zweifeln, und sich auch keine finanziellen Sorgen machen müssen.
Natürlich drehten sich viele der Gespräche durchschaubar um Statussymbole und waren völlig hohl. Das änderte aber nichts daran, dass ich gewisse Dinge, etwa einen bevorstehenden Skiurlaub, auf einmal ebenfalls als erstrebenswert empfand - und sei es nur, um mitreden zu können.
Diese nagenden Gefühle gingen dann eigentlich den ganzen heutigen Vormittag über weiter, und ließen mich mein Leben in düsterem, traurigem Licht sehen. Irgendwie scheint bei mir gar nichts zu stimmen, angesichts der klaren und glatten Lebenspläne und -verläufe anderer Menschen. Ich krebse da mehr schlecht als recht durchs Leben, ohne Aussicht auf irgendwelche Gipfel, die ich besteigen könnte. Kurzum: Eigentlich fühlte ich mich den ganzen Tag über deprimiert. Als ich unter Liszts Transkriptionen von Schuberts Liedern das “Ave Maria” hörte, musste ich spontan weinen.