Archiv für die Kategorie ‘Lektüre’

Beständigkeit

Mai 14, 2008

Maharshi: “Der Wunsch nach dem Andauern von Glück und Frieden läßt auf das Vorhandensein von `Beständigkeit´in seinem eigenen Wesen schließen. Daher versucht er [der Mensch], sein eigenes Wesen wiederzufinden - das Selbst. Ist das gefunden, dann ist alles gefunden.

Diese Passage berührte mich heute stark, als ich sie las. Sie beschreibt nämlich sehr genau, was mich antreibt, auf diese “Suche” zu gehen. Und sie beschreibt ebenso genau, wie ich fündig werden kann. Nämlich indem ich bei mir selbst suche. Es ist dies die Suche nach dem Glück - aber eben nicht nach einem Glück, welches außerhalb von mir sein mag. Dieses “Glück” gibt es nämlich gar nicht, denn es wäre irgendwelchen Zufällen und Umständen unterworfen, die in jedem Moment wechseln.

Präsenz 07.05.08 und Gelassenheit

Mai 7, 2008

Während der Pause am Vormittag verlasse ich das Gebäude und gehe zu meinem Lieblingsplatz an der Spree. Dort setze ich mich in den Halbschatten und schaue den vorüberfahrenden Schiffen zu. Vor Allem das immerwährende Glucksen der Wellen an der Uferbefestigung, auf der ich sitze, zieht meine Aufmerksamkeit ins Hier und Jetzt. Jegliche Gedankenaktivität fällt von mir und ich spüre einen starken Kraftstrom in mir. Ich verharre dort die gesamte Pause über.

Ich muss dabei auch an die Passage bei Maharshi denken, die ich gerade las: “Gelassenheit, Verwirklichung, alle bedeuten dasselbe. Es heißt auch “Übung und Gelassenheit”. Wieso Übung? Weil die Geistesregungen einmal nachlassen und dann wieder aufleben.

Es ist genau das, was ich in mir verspüre: Gelassenheit. Vor diesem Hintergrund fällt mir auch auf, dass mein gestriger Eintrag viel zu kurz greift. Da versuchte ich nämlich noch, die Gelassenheit zu relativieren, indem ich sie verächtlich auf eine körperliche Befindlichkeit zurückführe. Aber darum geht es ja gar nicht. Es geht nicht um Gründe. Es geht um das Jetzt. Und diese Passage aus dem Buch verweist auch auf das Unvermeidliche: Auf das Wiederaufleben der Geistesaktivität. Indem ich aber Pausen davon bewusst wahrnehme, mich in gewisser Weise auch nach ihnen ausrichte, verliert sie ihre Macht.

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

April 26, 2008

Heute las ich spontan und in einem Zuge das im Titel genannte Buch durch, das M. im Wohnzimmer hatte liegenlassen. Als ich durch war und es beiseite legte, musste ich auf einmal bitterlich weinen. Es war ein erleichterndes Weinen, hervorgerufen durch die Dankbarkeit, dass es möglich ist, mit Worten auch das Gute und Wahre darzustellen, nicht immer nur das Elend und das Leiden. Vor Allem die Figur des Monsieur Ibrahim, dessen innere Ruhe auch auf mich ausstrahlte, berührte mich in den Grundfesten.

Sammlung

April 16, 2008

Bei Maharshi las ich: “Bhagavan wies [...] darauf hin, daß die Sammlung der Geisteskräfte der eigentlichen Handlung vorangehe, also eher zum Ziel führe als die Aktivierung der physischen Kräfte.

Mich berührte diese Passage, denn es ist etwas, was ich mir immer mehr angewöhnt habe, wenn auch es noch nicht ausreichend ist: Vor einer erwartungsgemäß anstrengenden oder schwierigen oder wichtigen Situation, versuche ich, mich zu sammeln. Die Sammlung besteht aber nicht darin, sich auf das anstehende Ziel zu konzentrieren, sondern einfach nur präsent zu sein. Alles andere wäre besagte “Aktivierung der physischen Kräfte”. In diesem Zusammenhang erscheint mir meine Angst vor heiklen Situationen und der damit verbundene Fluchtimpuls als ein Mangel an Präsenz. Ich lasse mich dann immer noch viel zu sehr “hineinziehen”.

Ramana Maharshi

März 16, 2008

Fr: Man muss das “ich” sublimieren, bis es zum wahren Selbst wird.
M: Das “ich” existiert überhaupt nicht.
Fr: Warum macht es uns dann solche Schwierigkeiten?
M: Wer hat die Schwierigkeiten? Auch diese sind nur eingebildet. Schwierigkeiten und Vergnügen hat nur das “ich”.

Es ist die absolute Einfachheit, die mich bei Maharshi immer wieder trifft. Dann merke ich für Momente, dass ich normalerweise den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe - nur um dann wieder in diesen alten Zustand der Ich-Identifikation zurückzufallen. Ich merke aber auch, dass es hilft, jeden Tag ein kurzes Fragment bei Maharshi zu lesen, um mich an diese Momente zurückzuerinnern. Es scheint so zu sein, dass ich durch die regelmäßige Erinnerung ganz langsam doch etwas leichter Zugang dazu finde. Außerdem stellt sich jedes Mal, wenn ich das Buch zur Hand nehme, so etwas wie ein Erleichterungsgefühl ein.