Der Film “Das jüngste Gewitter”
April 5, 2008Gestern Abend schaute ich mit M. im Kino den Film “Das jüngste Gewitter” an. Mein erster Eindruck dabei war, dass es sich hier um einen etwas verkünstelten aber lustigen Unterhaltungsfilm handelt, nicht uninteressant, aber auch nicht weiter wichtig. Je mehr der Film aber voranschritt, und je mehr ich mich darauf einließ, desto tiefer und tiefer packte er mich. Hatten zu Beginn gewisse satirische und slapstickartige Szenen mich zum Lachen gebracht, so blieb mir dieses Lachen zunehmend im Halse stecken.
So langsam begann ich an dieser Stelle nämlich zu verstehen, worum es in diesem Film wirklich geht. Zum Einen waren da diese langen gnadenlosen Einstellungen, in denen scheinbar nichts wichtiges passierte, und die in ihrer Direktheit geradezu ätzend wirkten, zum Anderen die Gesichter der gezeigten Menschen: alle irgendwie geschlagen, stumpf, traurig, enttäuscht, entrückt. Noch nie habe ich es in einem Kinofilm so gut dargestellt gesehen, dass Menschen in Wirklichkeit die meiste Zeit über tot sind. Sie sind wie Wachspuppen, die ihre Programme abspulen, ein Leben lang irgendwelchen aufgepfropften Träumen nachhängen und dann irgendwann sterben. Da ist kein echter, lebendiger, wahrer Impuls vorhanden. Jede der höchst unterschiedlichen Szenen des Filmes schilderte dann auch genau das: die reale Leblosigkeit des Alltagsmenschen. Denn egal, was gerade getan wurde (und selbst bei dieser Sexszene war es nicht besser): Es war immer stereotyp.
Interessant war auch, dass ich es selten erlebt habe, dass so viele Zuschauer den Kinosaal verließen. Mir ist auch klar, warum: Sie konnten diesen gnadenlosen Spiegel nicht mehr ertragen. Ich selbst fühlte mich mitunter ungemütlich, angesichts der so offen geschilderten Hoffnungslosigkeit und Absurdität, konnte aber zumindest innerlich zustimmen: Ja, so ist es tatsächlich. Und in diesem Moment verloren sie dann ihre abstoßende Aura. Was diesen Film nämlich ausmacht, ist die akribische Schilderung jener kleinen, hässlichen und absurden Belanglosigkeiten, über die wir gerne hinwegsehen, weil sie nicht zu unserem schönen Selbstbild passen. Dieser Film ist wie das Kind, welches des Kaisers neue Kleider kommentiert.
Das interessanteste Erlebnis hatte ich aber nach diesem hervorragenden Film: Während er lief waren mir die Gesichter der geschilderten Menschen irgendwie künstlich und überzeichnet vorgekommen. Wie ein Stillleben. Als ich dann aber herauskam, stellte ich verblüfft fest, dass die Gesichter der realen Menschen um mich herum genauso waren, wie die im Film. Es war, als würde der Film draußen weitergehen, bzw. als hätte er mir eine neue Sichtweise geschenkt.