Körper

Schwere, Aufgeregtheit, Freude usw.: All diese Zustände, die ich in den letzten Tagen beschrieb, und die sich wie die einzelnen Darsteller bei einem Kasperletheater je nach Szene ablösten, ließen mich gestern ja in dieses Gefühl der Hülsenhaftigkeit sacken. Dieses Gefühl empfand ich zunächst als niederschmetternd.

Heute, vor, während und nach dem Sport (ich ging mal wieder ins Sportstudio) wurde mir dann klar, woraus diese Hülse besteht. Es ist so einfach, dass es fast lachhaft ist: die Hülse ist der Körper. Alle Befindlichkeiten sind letztendlich Befindlichkeiten des Körpers (auch die emotionalen und intellektuellen). Ich bemerkte es anhand des radikalen Stimmungswechsels, der durch den Sport bewirkt wurde: Vorher irgendwie gedämpft und träge, währenddessen konzentriert, hinterher voller Freude aber auch etwas unruhig.

Die Person ist der Körper.

Das klingt geradezu trivial, und jeder Möchtegernwissenschftler hat das ja sowieso schon immer gewusst. Es ist aber ein Unterschied, ob ich diese Sache nur “weiß” oder ob ich sie wirklich fühlen kann. Letzteres beinhaltet nämlich einen gewissen Schrecken, der mich gestern heimsuchte. Und genau hier ist dann der Punkt, wo ich entweder weitergehen möchte, oder wo ich in Panik umdrehe, weil mir das “Wissen” reicht”, die direkte Wahrnehmung dieser Tatsache mich aber überfordert. Tatsächlich ist diese Panik aber nur der Vorlauf dessen, wohin diese Erkenntnis führt. Und das deutete sich bereits gestern als Glücksgefühl an. Es ist letztendlich die Freiheit, auf die es hinausläuft: wenn ich nämlich die Begrenztheit meiner Person kenne, dann bin ich frei von ihren Launen.

4 Antworten zu “Körper”

  1. Claudia sagt:

    Für mich ist nicht der Körper die Person, sondern das, was über den Körper und seine Zustände nachdenkt, bzw. auch ohne explizites Nachdenken über Körperliches entlang an diesen Zuständen diese oder jene Entscheidung trifft.

    Was immer die Wissenschaftler wissen mögen, so ist doch mein tägliches Erleben so, dass ich entscheiden kann, ob ich ins Sportstudio gehe oder lieber doch nicht. Evtl. hab ich mir ein “eisernes Programm” auferlegt, oder ich gehe “nach Bockprinzip” und meine damit: wenn etwas andere grade wichtiger erscheint, mach ich halt das.

    Die Grundbefindlichkeit in dieser Situation ist vom Körper her dieselbe, doch was ich daraus mache, kann mal so und mal so aussehen. Deshalb ist “der Körper” für mich nicht schon die ganze Person.

  2. Götz sagt:

    Liebe Claudia,

    mit Verlaub: ich würde mich sehr wundern, wenn Du wirklich freie Entscheidungen treffen könntest - also unabhängig von irgendwelchen körperlichen Vorgaben.

    Ich kann es jedenfalls nicht. Zwar bilde ich mir gerne ein, es wäre anders, doch je mehr ich das untersuche, desto klarer wird mir, dass ich mich da nur selbst betrüge. Es ist allerdings bitter, sich das einzugestehen. Gerade heutzutage, wo jeder sich für äußerst aufgeklärt und selbstverwirklicht hält.

    Aber letztendlich ist das ja auch egal, denn es geht hier ja gar nicht um “freie Entscheidungen”, sondern um die “ganze Person”. Vielleicht sollte ich da noch hinzufügen, dass zwar der Körper (oder im weitesten Sinne das Körperliche) die ganze Person ausmacht, dass aber die Person nicht den ganzen Menschen ausmacht.

    Gruß,
    Götz

  3. Claudia sagt:

    Ich halte lieber an der täglich erlebten “Möglichkeit der Wahl” fest, denn das entspricht meinem Erleben und ohne diese These könnte ich meinen Alltag nicht bewältigen, von ethischen Entscheidungen ganz zu schweigen.

    Ob nun die Hirnforschung zu anderen Hypothesen kommt oder die Advaita-Leute meinen, da sei kein Handelnder - all das bringt mir gar nichts, wenn ich gerade entscheiden muss, ob ich mich jetzt aufraffe oder träge sitzen bleibe. Bzw. es würde den zweiten Fall unterstützen, würde ich dem ernsthaft anhängen.

    Mit PERSON meine ich das, was z.B. im Orgasmus verschwindet, oder das, was bei plötzlicher Gefahr hinter der Angriff/Flucht-Reaktion verschwindet.

    Auch für mich gibt es keinen “körperlosen” Geist, bzw. alles hat seine materiell-physische Seite. Die kann ich durchaus “in Bewegung versetzen”, doch kann ich mir nicht verordnen, das zu WOLLEN. Im Willen liegt also das eigentliche Geheimnis - für mich.

  4. Götz sagt:

    Ja und woher kommt dieser “Wille”? Etwa von “Dir”, die Du “Entscheidungen” triffst und die “Möglichkeit der Wahl” schätzt?

    Natürlich kann ich mich dafür entscheiden, mir die Hose vollzumachen anstatt aufs Klo zu gehen. Ist es das, was Du mit “Wille” meinst?

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