Unruhe

M. und A. hatten gestern unbedingt zu diesem Karneval der Kulturen gehen wollen, und ich hatte eingewilligt. Wie immer bei solchen Massenveranstaltungen verspürte ich bald eine bestimmte Art vor Verwirrtheit angesichts der vielen Geräusche und Gesichter, die da auf mich einstürmten (obwohl es an der Stelle, wo wir uns befanden noch überaus entspannt und ruhig zuging). Ich sah, wie ich immer deprimierter wurde, erkannte, dass das alles nur noch ein reiner Wahnsinn war, der eigentlich gar nichts mit mir zu tun hatte. Natürlich freute ich mich über irgendwelche mit Liebe und Hingabe präsentierten Kostüme und Tänze, freute mich über die wirklich bunte Menschenmischung - dennoch kam es mir alles gekünstelt und aufgesetzt vor. Innerlich fühlte ich mich irgendwann nur noch gehetzt und irgendwie wütend, angesichts meines Ausgeliefertseins.

Als wir die Veranstaltung dann auch bald verließen und noch zu A. auf den Balkon gingen, setzte sich dieses Gefühl fort. Es hatte nämlich in Wirklichkeit gar nichts mit der Veranstaltung zu tun gehabt. Vielmehr entsprang es meinem Unvermögen, gelassen zu sein. Es war Unruhe, die in mir kochte.

Der heutige Tag verlief, was diese Unruhe anging, weniger anstrengend. Die ausgedehnte Wanderung durch das schöne Wetter diente da wohl auch als eine Art Ventil für überschüssige Kräfte: Bewegung und ständiger Szenenwechsel als Puffer. Die zwei, drei Stunden am Ufer, während denen ich auch die Präsenzübug durchführte, stechen in dieser Hinsicht allerdings heraus, denn ich verspürte eine sehr starke Ruhe, dämmerte zeitweise sogar ein. Aber auch da war womöglich Ablenkung mit im Spiel: auf dem Wasser war viel los, und meine Aufmerksamkeit konnte da umherschweifen oder besser gesagt: sich ablenken lassen.

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