Archiv für März 2008

Urlaub

März 31, 2008

Diese vier Tage, die ich in Süddeutschland bei verschiedenen Verwandten verbrachte, gingen wie im Fluge an mir vorüber. Mir fiel dabei vor Allem meine innere Nicht-Beteiligung auf. Diverse Orte oder Menschen, die in der Vergangenheit regelmäßig irgendwelche (nostalgischen oder sonstige) Emotionen in mir auslösten, nahm ich wie unbeteiligt wahr. Bei verschiedenen Gelegenheiten übte ich Präsenz, und sah dabei, wie wenig mich das alles wirklich berührte. Es war ein Geplätscher, und genauso hätte ich am Straßenrand sitzen können und vorbeieilenden Menschen zuschauen können. Auffällig war, wie “normal” die Beziehung mit meinem Vater war. Da war keinerlei Rollenspiel mehr, zumindest nicht von meiner Seite und zumindest äußerlich auch nicht von seiner Seite, und das machte es angenehm. Ein paar Male musste ich an die Vergangenheit denken, und es fiel mir auf, wie weit entfernt das alles von meiner Gegenwart ist.

Vo Allem bei der Geburtstagsfeier von R., bei der das halbe Dorf zugegen war, konnte ich sehen, wie sehr ich mich von der “konventionellen” Lebensweise entfernt habe. Auf irgendwie befremdliche Art und Weise konnte ich in den Gesichtern der Leute lesen und sah darin allzu häufig die Festgefahrenheit in alltäglichen Verhaltensmustern. Da wurden außerdem dieselben Gespräche geführt wie seit zig Jahren. Ich empfand es streckenweise als völlig skurril und unnatürlich. Es war wie ein anderer Stern. Ich selbst fühlte mich dagegen nüchtern und normal. Das ist insofern bemerkenswert, als dass es Zeiten gab, wo es genau andersherum war: Damals dachte ich, diese Leute würden “richtig” leben, und nur ich wäre so etwas wie ein Fremdkörper, der sich anpassen müsste.

Überhaupt war die Übung der Präsenz ein ständiger Begleiter in diesen Tagen. Sie war so etwas wie eine Erdung.

Zwei Erlebnisse taten besonders gut und ragten heraus: Einmal ging ich schwimmen, und einmal unternahm ich eine herrliche Wanderung durch den Vorschwarzwald, die sich spontan immer weiter verlängerte. Beide Erlebnisse waren aber auch vor Allem deshalb so wohltuend, weil ich in diesen Tagen übermäßig viel herumsaß und aß. Bald spürte ich, wie sich das lähmend auf mich auswirkte. Zurück in Berlin hatte ich heute dann auch große Freude daran, wieder aktiv sein zu können.

Beobachtung der Lebenskraft

März 25, 2008

Heute unterrichtete ich bis in den späten Nachmittag und hatte dann noch viele Dinge vor meiner morgigen Abfahrt zu erledigen. Der Energiepegel, mit dem ich das alles erledigte, variierte von sehr hochfliegend bis missmutig. Es war wie ein Riesenrad. Dabei war es aufschlussreich, dieses Geschehen zu beobachten, und auf einmal kam es mir vor, als würde ich tatsächlich ein Rad anschauen, allerdings eine Art Hamsterrad, in dem ich herumlief. Es war genau so, wie G.-L. es in seinem Hinweis im Wiki beschreibt, wonach es nicht möglich ist, Lebenskraft zu sehen, ohne dass ein Bewusstsein es wahrnimmt. Mit einem Male befand ich mich in der Rolle eines Wissenschaftlers, der diesen Hamster anschaute und studierte.

Hier hieß mich die Lebenskraft irgendwelche Dinge tun, dort ruhte das Bewusstsein und schaute dem Geschehen zu. Mir kam es dann allerdings so vor, als würde diese Beobachtung durchaus eine Wirkung auf die Lebenskraft ausüben, so wie etwa bei meinem Erlebnis auf dem Postamt (vgl. heutiger Präsenzeintrag). Ich wurde dabei generell geduldiger und gleichzeitig effektiver.

Präsenz 25.03.08

März 25, 2008

Ich möchte am späten Nachmittag noch einen Brief zur Post bringen und lande in einer überlangen Schlange, die kaum vorangeht. Mein erster Impuls ist, wieder hinauszugehen und das Vorhaben zu verschieben. Es kostet mich Überwindung, doch zu bleiben, und ich bemerke, wie meine Präsenz mit jeder Minute wächst, die ich durchstehe. Anfängliche Ungeduld kehrt sich in Interessiertheit an meiner Umgebung um: die verschiedenen Menschen, das Gebäude, die Arbeitsabläufe am Schalter: jedes Detail gewinnt an Gewicht, während ich zunehmend in mir selber ruhe. Es ist mir egal, wie lange ich da noch stehen muss.

Überwindung inneren Widerstandes

März 24, 2008

Diese paar freien Tage führen mir vor Augen, wei sehr ich für gewöhnlich in Hektik verstrickt bin. Als ich am Vormittag einen langen Spaziergang (fast schon eine Wanderung) mit M. durch die sonnige Stadt machte, kamen immer wieder Momente der Unruhe auf: Eigentlich hatte ich ja noch viele berufliche Dinge für die nächste Zeit vorzubereiten, abgesehen von anderen, eher privaten Erledigungen, die anstanden. Meine Gedanken kehrten dann auch immer wieder zu dem Punkt zurück, dass wir ja nun langsam wieder nach hause kommen könnten, um diese Dinge hinter mich zu bringen.

Wieder zuhause empfand ich dann aber zunächst Widerwillen, mich mit den anstehenden Dingen zu beschäftigen, und stürzte mich mitnichten sofort auf die Aufgaben. Eher missmutig kramte ich dann irgendwann doch den Stapel Protokolle heraus, den ich korrigieren muss, und machte mich ans Werk. Je mehr ich mich aber darauf einließ, desto mehr spürte ich, wie der Missmut von mir wich. Da kam etwas in Fluss und der Verstand drehte zurück. Es war einfach nur eine Frage des Einlassens gewesen. Auch die anderen Dinge erledigte ich dann in einer sehr ruhigen und gelassenen Stimmung, und irgendwann wunderte ich mich, wie viel ich in der doch relativ kurzen Zeit geschafft hatte.

Angesichts solcher Erlebnisse kommt es mir vor, als bestünde jener innere Missmut, der die Drosselung der Lebensenergie bewirkt, einfach nur in der Trägheit, etwas neues anzugehen - gespeist auch aus der Angst, das es ein riesiger Berg sei. Und je mehr ich einem Projekt aus dem Weg gehe, desto größer bauscht es der Verstand auf. Schaffe ich es dann aber doch einmal, mich darauf einzulassen, wächst die Energie ganz von alleine. Der Punkt, wo das geschieht, ist dann immer der, wo ich nicht auf die Bedenken höre - und sei es (so wie heute) weil etwas aus haushälterischen Gründen getan werden muss. Auffallend ist, dass ich die Trägheit erst im allerletzten Moment überwinde, wenn mir sozusagen das Wasser bis zum Halse steht. So hat es G.-L. ja auch in der Vergangenheit einmal formuliert, und genau so ist es. Es geht hier also um das Thema, Dinge sofort zu erledigen, und nicht irgendwann. Ein typischer Aspekt des Guten Haushälters.

Telefonat und freier Tag

März 23, 2008

Heute telefonierte ich mit meinem Bruder D. in C.R., fragte, wie es ihm ginge, und bekam prompt wieder die übliche Leier zu hören, nämlich dass er mal wieder dieses und jenes Problem habe, an dem natürlich die widrigen Umstände und andere Menschen schuld seien. Interessant war meine Reaktion: Ich spürte, wie mich das alles völlig kalt ließ, sondern sagte ohne jede Rücksicht auf Verluste, dass er da selber dran schuld sei, und dass mein Mitleid sich in Grenzen hielte. Damit hatte es sich dann aber auch für mich erledigt. Ich wunderte mich sogar, dass ich erst in den letzten Jahren diese Jammermasche durchschaute, und sie mir bis dahin stets zu Herzen genommen hatte. Leid tut mir höchstens, dass D. offensichtlich selbst an sein Gejammere glaubt - aber mit mir hat es eben nichts mehr zu tun. Ich musste lediglich daran denken, wie sehr das Sprechen über irgendwelche Missstände den, der sie äußert, negativ beeinflussen, indem er in genau die Rolle gerät, über die er da spricht. Genau so ein Fall ist D..

Ansonsten war der heutige Tag sehr entspannt. Ich verbrachte ihn mit M. und konnte feststellen, wie sich durch die gemeinsame und “programmfreie” Freizeit (die wir seit Monaten nur noch sehr selten haben) wieder mehr Nähe und eine liebevolle Stimmung aufbauten. Die gestrige Auseinandersetzung lag meilenweit entfernt. So schnell vergesse ich - selbst Dinge, für deren “Gehalt” ich im betreffenden Moment die Hand ins Feuer legen würde. Es ist verwirrend.