Archiv für Februar 2008

Präsenz

Februar 29, 2008

Präsenz am Morgen auf der Busfahrt. Ich sitze kerzengerade und hellwach in meinem Sitz mit guter Aussicht durch die Frontscheibe. Kein Detail entgeht mir. Ich merke aber auch, dass in mir Ungeduld brodelt und die Gedanken anzustacheln versucht: der Bus sei nicht schnell genug, die vor mir liegende Arbeitsperiode zu lang. Dadurch stoße ich auf den Wunsch, einfach nur nichts zu tun.

Wiederholung

Februar 29, 2008

Mir fällt es wie Schuppen von den Augen, denn die Paralllele ist offensichtlich. Damals, als S. in die USA zurückging, und es nicht sicher war, dass sie zurückkann, drehte ich gewissermaßen durch und beendete die Beziehung, weil ich nicht bereit war, diese Unterbrechung mit ungewissem Ausgang zu ertragen. Als sie dann doch zurückkam, war es bereits zu spät: sie hatte einen Neuen.

Die Lage jetzt ist fast exakt dieselbe: M. hat sich auf ein Abenteuer eingelassen, das sie sehr in Anspruch nimmt. Dabei fühle ich mich (wieder) vernachlässigt oder alleingelassen und meine erste Reaktion ist der Wunsch, mich neu zu verlieben und einen Absprung zu machen. Frühlingsgefühle, Hormonstörung. Mag alles sein. Aber es ist eben auch ein Grundmuster, das zeigt, wie sehr ich mich abhängig gemacht habe von Zuneigung und Aufmerksamkeit, und wie stereotyp ich auf schwierige Situationen reagiere.

Mit M. hatte ich jetzt wenigstens dahingehend ein klärendes Gespräch, dass sie nicht erwartet, dass ich ihre Last trage, und dass sie auch durchaus die Beine soweit auf dem Boden hat, dass ein Scheitern ihrer Unternehmung kein großes Unglück bedeutet. Bei ihrer Ausbildung und dem derzeitigen Stellenmarkt braucht sie sich auch keine Sorgen zu machen. Macht sie auch nicht. Ich mache sie.

Präsenz

Februar 28, 2008

In den wenigen Präsenzmomenten am heutigen Tag wurde meine Aufmerksamkeit immer wieder von einem schmerzend-saugenden Gefühl eingefangen, welches mich den ganzen Tag begleitete: Traurigkeit.

Im Spinnennetz

Februar 28, 2008

Das Gespräch mit G.-L. gestern Abend wirkt heute intensiv nach. Und das hat einen einfachen Grund: es stimmt, was er sagte. Es stimmt, dass ich da irgendwie mit halber Kraft vor mich hin lebe und entsprechend stümpere, und es stimmt, dass ich eine Last trage, die nicht die meine ist. Und das hängt natürlich miteinander zusammen.

Mein erster Impuls: Das muss ich ändern. Aber diesen Reflex kenne ich bereits, und regelmäßig mündet er in die Erkenntnis, dass das eben leider nicht so einfach geht. Bisher hatte ich mich immer noch damit über Wasser gehalten, Änderungen einleiten zu können, auf dass alles besser würde. Ich kann aber nichts ändern - denn wer bin ich schon? Mehr und mehr komme ich notgedrungen zu der Erkenntnis, dass ich nicht an irgendwelchen Äußerlichkeiten herumpfuschen kann und darf, sondern dass ich ausharren und mitgehen muss mit dem, was kommt, und dabei meine Aufmerksamkeit auf mich richten muss. Die Versuchung, Entscheidungen zu treffen, lauert dabei aber auf Schritt und Tritt, und immer wieder falle ich darauf herein, sobald mein Blick nach außen fällt.

Jegliche Erwartung auf Besserung versackte dann heute aber zunächst in tiefster Depression begleitet von der Erkenntnis, dass ich ein kleiner, kraftloser Wurm bin. Prompt waren auch alle „Frühlingsgefühle“ wie weggeblasen. Ich fühlte mich nur noch müde und elend. Die Depression steigerte sich dann im Laufe des Tages bis hin zu körperlichen Symptomen, dass nämlich meine Knie- und teilweise Ellenbogengelenke leicht zu brennen anfingen. Auch dieses Symptom kenne ich: es tritt auf, wenn ich innerlich an mir nage.

M. merkte natürlich auch sofort, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt, und fragte nach. Prompt sagte ich ihr das, was mich beschäftigt: Irgendetwas läuft nicht rund derzeit, auch in unserer Partnerschaft. Und womöglich nicht nur derzeit, sondern bereits seit Jahren. In meiner Ratlosigkeit konnte ich da aber auch keine Perspektive aufzeigen. Innerlich litt ich nur, und merkte, dass ich da in einer ganz großen Falle sitze. Ich merkte, dass ich damit auch M. traurig machte – und ja, ich empfand sogleich Schuldgefühle. Wieder war die Aufmerksamkeit nach außen gestülpt.

Beziehung mit M.? Alleinsein? Neu verlieben? Mit solchen Fragen schiebe ich es lediglich auf die Außenwelt, wo der Schlüssel doch bei mir selbst liegt – und es ist außerdem wieder der Anfang jener Verbesserungsperspektive, die eine Sackgasse ist. Scheinbar lebe ich da ein Programm, dessen Ausmaß ich noch nicht annähernd erkannt habe, und in dem ich mich befinde, wie eine Fliege, die in einem Spinnennetz gefangen ist, und glaubt, durch zappeln würde sich etwas verbessern.

Traum vom Abrutschen

Februar 26, 2008

In einer felsigen Berglandschaft liege ich neben M. auf einer kleinen Steinterrasse, die leicht zum Abhang hin angeschrägt ist. Ich liege auf der Abhangseite, M. hält mich in den Armen. Ich merke, wie wir langsam ins Rutschen kommen und bekomme große Panik, versuche mich irgendwo festzuhalten, kann es aber nicht, weil die Umarmung von M. mich daran hindert. Wir rutschen immer weiter, wobei ich versuche, es M. mitzuteilen, aber sie hört nicht. Ich weiß, dass bald ein großer Canyon kommt, in den wir hineinstürzen werden. In der Luft fliegen ein paar Vögel ganz weit oben. Wir rutschen zwar tatsächlich weiter, jedoch gelangen wir an eine flache, feuchte Kuhle, so dass keine Gefahr mehr droht.

Der Traum ist Ausdruck meiner unruhigen, zweifelnden Gefühle, M. betreffend. Die karge, felsige Berglandschaft steht für die anstrengende, arbeitsreiche Zeit, in der wir uns gerade befinden.