Das Gespräch mit G.-L. gestern Abend wirkt heute intensiv nach. Und das hat einen einfachen Grund: es stimmt, was er sagte. Es stimmt, dass ich da irgendwie mit halber Kraft vor mich hin lebe und entsprechend stümpere, und es stimmt, dass ich eine Last trage, die nicht die meine ist. Und das hängt natürlich miteinander zusammen.
Mein erster Impuls: Das muss ich ändern. Aber diesen Reflex kenne ich bereits, und regelmäßig mündet er in die Erkenntnis, dass das eben leider nicht so einfach geht. Bisher hatte ich mich immer noch damit über Wasser gehalten, Änderungen einleiten zu können, auf dass alles besser würde. Ich kann aber nichts ändern - denn wer bin ich schon? Mehr und mehr komme ich notgedrungen zu der Erkenntnis, dass ich nicht an irgendwelchen Äußerlichkeiten herumpfuschen kann und darf, sondern dass ich ausharren und mitgehen muss mit dem, was kommt, und dabei meine Aufmerksamkeit auf mich richten muss. Die Versuchung, Entscheidungen zu treffen, lauert dabei aber auf Schritt und Tritt, und immer wieder falle ich darauf herein, sobald mein Blick nach außen fällt.
Jegliche Erwartung auf Besserung versackte dann heute aber zunächst in tiefster Depression begleitet von der Erkenntnis, dass ich ein kleiner, kraftloser Wurm bin. Prompt waren auch alle „Frühlingsgefühle“ wie weggeblasen. Ich fühlte mich nur noch müde und elend. Die Depression steigerte sich dann im Laufe des Tages bis hin zu körperlichen Symptomen, dass nämlich meine Knie- und teilweise Ellenbogengelenke leicht zu brennen anfingen. Auch dieses Symptom kenne ich: es tritt auf, wenn ich innerlich an mir nage.
M. merkte natürlich auch sofort, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt, und fragte nach. Prompt sagte ich ihr das, was mich beschäftigt: Irgendetwas läuft nicht rund derzeit, auch in unserer Partnerschaft. Und womöglich nicht nur derzeit, sondern bereits seit Jahren. In meiner Ratlosigkeit konnte ich da aber auch keine Perspektive aufzeigen. Innerlich litt ich nur, und merkte, dass ich da in einer ganz großen Falle sitze. Ich merkte, dass ich damit auch M. traurig machte – und ja, ich empfand sogleich Schuldgefühle. Wieder war die Aufmerksamkeit nach außen gestülpt.
Beziehung mit M.? Alleinsein? Neu verlieben? Mit solchen Fragen schiebe ich es lediglich auf die Außenwelt, wo der Schlüssel doch bei mir selbst liegt – und es ist außerdem wieder der Anfang jener Verbesserungsperspektive, die eine Sackgasse ist. Scheinbar lebe ich da ein Programm, dessen Ausmaß ich noch nicht annähernd erkannt habe, und in dem ich mich befinde, wie eine Fliege, die in einem Spinnennetz gefangen ist, und glaubt, durch zappeln würde sich etwas verbessern.