Präsenz
November 30, 2007Eine sehr intensive Pröäsenzphase ergab sich während des Nachhilfeunterrichtes, als der Schüler Aufgaben löste. Wieder stellte sich dieses Gefühl der “entrückten Nüchternheit” ein.
Eine sehr intensive Pröäsenzphase ergab sich während des Nachhilfeunterrichtes, als der Schüler Aufgaben löste. Wieder stellte sich dieses Gefühl der “entrückten Nüchternheit” ein.
Womöglich ist es auch nur das: Konfliktscheu. Tatsächlich empfinde ich es häufig sogar körperlich, wenn sich ein Konfllikt anbahnt, und es scheint so zu sein, als würde ich mit dem, was ich im gestrigen Beitrag “Freundlichkeit” nannte, jeder Art von Konflikt vorbeugen wollen.
Das läuft aber nicht berechnend ab - also verstandesbezogen - sondern ist viel tiefer angesiedelt, sozusagen als eingebrannter Automatismus, den ich auf den ersten Blick im instinktiven Zentrum ansiedeln würde. Passend dazu ist, dass ich dieses Verhalten vor Allem in Zusammenhang mit Dingen an den Tag lege, die existenziell sind, zumeist im beruflichen Umfeld, aber nicht nur dort. Auch etwa auf dem Treffen mit dem Hausverwalter begleitete mich diese Mischung aus Unwohlsein und Harmoniesucht. Existenz bedeutet hier: das Dach über dem Kopf. Und auch wenn es bei diesem Treffen nun wirklich um nichts wichtiges ging, und ein ernsthafter Konflikt weit und breit nicht zu erwarten war (Verstand), reichte schon die Tatsache, dass es ums Haus ging, diese bestimmte Haltung in mir hervorzurufen.
Es ergibt sich intensive Präsenz, als ich während einer Arbeitspause am Mittag Zeit für einen Spaziergang finde. Ich gehe durch eine belebte Geschäftsstraße und schaue mir die Schaufenster an, gehe sogar in einen schummrigen Antiquitätenladen, der mir interessant vorkommt. Als ich dort wieder herauskomme, kommt mir das Licht, die kalte Luft und die ganze Szenerie völlig unwirklich vor, oder besser gesagt: es kommt mir alles dermaßen wirklich vor, dass ich es schier nicht wiedererkenne. Ein seltsames Gefühl, das ich spontan als “entrückte Nüchternheit” beschreiben würde.
Als ich gegen Mittag den Unterricht an der einen Schule beendete, packte ich meine Sachen um zu gehen. Beim Hinausgehen verspürte ich den Drang, noch einmal bei der Sekretärin ins Büro zu schauen - vordergründig, um mich zu erkundigen, ob noch irgendetwas anstünde und um mich zu verabschieden. Tatsächlich aber erkannte ich, dass das nur ein vorgeschobener Grund war, denn eigentlich war alles schon vorher besprochen worden, und ein Abschied wurde auch nicht erwartet. Es war letztendlich eine völlig überflüssige Aktion, deren einziger Grund darin bestand, Floskeln auszutauschen, und eine wie immer geartete “persönliche Verbindlichkeit” herzustellen. Und es ging dann noch weiter: Ich beobachtete, wie ich mich - völlig überflüssigerweise - im Vorbeigehen auch beim Pförtner verabschiedete, so als sei es wichtig, dass er mitbekäme, dass ich nun gehe, bzw. als sei es wichtig, dass er mich als freundlichen Menschen in guter Erinnerung behalte.
Mir erscheint das wichtig, denn es entspricht genau diesem Verhaltensmuster, alles zu zerreden und in angenehme und oberflächliche Floskeln zu verpacken. Als Selbstzweck. Und der Beweggrund dafür scheint diese erwähnte “persönliche Verbindlichkeit” zu sein, auf die ich anscheinend so großen Wert lege. Vor anderen Menschen gut dastehen. Immer einen guten Eindruck hinterlassen. Mich ständig absichern, dass da keine Unstimmigkeiten oder Missverständnisse aufkommen. Letztendlich handelt es sich dabei um eine Form des inneren Mich-Richtens. Eventuell ist es aber auch der Drang, mich dadurch in den Mittelpunkt zu stellen und nach Aufmerksamkeit zu heischen.
Die längste Präsenzphase ergab sich im Sport-Studio nach der Arbeit, als ich einige Übungen an irgendwelchen Geräten machte. Mir fiel auf, dass die Präsenz bewirkte, dass ich die Übungen langsamer und damit auch intensiver durchführte. Die Phase endete, als ich mit einem flüchtigen Bekannten ein paar Worte wechselte. Das fiel mir aber erst im Bus auf dem Heimweg auf, als wiederum Präsenz eintrat.