Archiv für Oktober 2007

Präsenz

Oktober 31, 2007

Präsenz kam heute in den wenigen Pausen zwischen meinen Aktivitäten auf, seltener währenddessen. Immerhin: In präsentem Zustand erkannte ich einen zappeligen Hampelmann, der versuchte, die Oberhand über die Tagesgestaltung zu halten - und der sich bei diesem Versuch immer wieder darin verstrickte.

Geladen

Oktober 31, 2007

Heute ist so ein Tag, an dem ich mich schlichtweg unzulänglich fühle. Ein Berg häuft sich vor mir auf (Beruf, Schule, Haushalt) von dem ich nicht weiß, wie ich ihn bewältigen könnte. Vor Allem der Austausch im Wiki wirkt wie eine ungreifbare Masse, die sich mir ständig zu entziehen droht. Es ist wie eine Hydra, der ich einen Kopf abschlage, auf dass zwei neue nachwachsen. Einmal erwischte ich mich, wie ich dabei ins Fluchen kam. Meistens fühlte ich mich aber, wie gesagt, einfach nur unzulänglich. Mir fiel dabei auf, dass dieses Gefühl der Unzulänglichkeit eine andere Ursache hat als die der “echten” Unzufriedenheit über meine Unfähigkeit und die damit verbundene schlechte ERledigung meiner Verpflichtungen. Eher ist es der Ärger, eine Situation nicht unter Kontrolle zu haben. Das sägt am Selbstverständnis dessen, der alles “im Griff” hat.

In eine ähnliche Richtung zielt das Erlebnis an der einen Schule, als ich eine Schülerin zu schroff zurechtwies, als sie den Unterricht störte. Es geschah aus einem Impuls heraus, und gerade dies ließ mich hinterher unsicher und etwas zerdetscht fühlen. “Impuls” heißt auch: nicht unter Kontrolle. Nicht also die Situation selbst (die Schülerin störte wirklich erheblich) sondern die Tatsache, dass ich impulsiv handelte, verunsicherte mich.

Was bleibt ist dieses Gefühl der Unzulänglichkeit und das Bestreben, meine Verpflichtungen zu erledigen, auch ohne dass ich “perfekt” bin. Einige Male musste ich in diesem Zusammenhang auch an die Akkumulatoren denken, deren größeren ich nur bei “Überanstrengung” zu berühren vermag. Tatsächlich fühle ich mich trotz Allem sehr “geladen”.

Magnetisches Zentrum

Oktober 30, 2007

Als ich heute im Bus zur Arbeit saß, kam starke Präsenz beim Hören von Liszts Adaptionen von Liedern von Schubert auf. Ich hatte einen Platz weit vorne ergattert, und als die vierspurige Hauptverkehrsstraße sich ein wenig senkte, wirkte der breite Strom von Lichern im dämmrigen Grau, die hinab- und weiter vorne wieder hinauffuhren, wie ein grandioses Naturereignis größter Harmonie. Hier setzte die Präsenz ein, die dann lange anhielt.

Auch während des folgenden Unterrichts hielt dieser Zustand an, und ich bemerkte, dass in Unterrichtspausen (etwa als die Schüler eine Aufgabe lösten und ich derweil am Fenster stand und hinausschaute, oder auch in der Frühstückspause, die ich alleine im Labor verbrachte) sich wieder jenes bestimmte Gefühl meldete, welches ich dem magnetischen Zentrum zuschreibe, und welches ich während der letzten Jahre immer stärker wertschätzen gelernt habe, welches aber auch wie erinnerungslos ausradiert ist, wenn es nicht da ist. Es ist dies eine zarte Sehnsucht, ein Wissen darum, dass all die Phänomene um mich herum und in meiner Person nicht falsch aber eben doch völlig unzureichend dafür sind, “mich” zu finden. Letztendlich ist dies der Kernpunkt dessen, wohin es mich immer wieder zurückzieht - und welches mich auch seinerzeit zur Schule führte.

Mir fiel aber auch auf, dass in den letzten Monaten - und eigentlich des gesamten vergangenen Jahres - dieses Gefühl wie unter einer klebrigen Schicht verborgen war, die es nur ab und zu durchkommen ließ. Es wird anscheinend in diesen Tagen wieder etwas stärker. Die Gründe für seine Schwächung sehe ich zum Einen in der doch sehr lange andauernden und über Monate immer wieder aufkochenden Auseinandersetzung mit “alten Freunden” (was inzwischen bereinigt zu sein scheint), und zum Anderen in der großen beruflichen Belastung, die mir zumindest während der letzten zwei Monate weniger Freizeit ließ, als ich im Vorfeld geahnt hatte (dies hält noch an). Womöglich spielt beim heutigen Aufkommen dieses Gefühls auch das herbstliche Wetter eine Rolle, die Umstellung also vom “Außenmodus” auf den Innenmodus”.

Heute erhielt ich die Nachricht, dass ein Auftrag womöglich demnächst wegfallen wird, weil der Schüler nach England siedelt. Mein erster Reflex war: “Gut so! Endlich ein wenig Entlastung.”

Alltag

Oktober 29, 2007

Heute war ein Tag, wie ich sie derzeit ständig habe: Vollgepackt mit Arbeit und Dingen, die erledigt werden müssen. Mir scheint, die Tage werden immer dichter, und es kommt mir manchmal vor, als würden diese Dinge mich von mir und der Schule fernhalten wollen. Dann bleiben nur noch einzelne Phasen der Selbstbesinnung, in denen ich der Präsenz freien Raum lasse, die mir wie Inseln, die schemenhaft aus dem Nebel auftauchen, vorkommen. Etwa als ich am Nachmittag eine Erledigungsrunde zu Fuß drehte.

Eine weitere derartige Phase war das morgendliche Jogging, als es heute wieder etwas heller war als in den vergangenen Wochen um diese Zeit - bedingt durch die Zeitumstellung. Prompt kam dabei ein Gefühl auf, wie ich es vom Frühling kenne: Zuversicht angesichts der zunehmenden Helligkeit. Dass es ein Trugschluss ist, weiß ich natürlich, aber es fühlte sich phasenweise ziemlich verblüffend so an.

Präsenz

Oktober 29, 2007

Die intensivste Präsenzphase ergibt sich, als ich am Nachmittag eine Runde drehe, um diverse Dinge zu erledigen. Es sind viele Stationen, die ich auf einem schleifenartigen Weg abklappern muss. Dennoch überkommt mich keine Eile, sondern ich bin erstaunt über die Geruhsamkeit, mit der ich die verschiedenen Sationen bediene. Ich finde alles überaus sinnvoll, was ich da tue - ohne den Dingen aber Wichtigkeit beizumessen.