Als ich heute im Bus zur Arbeit saß, kam starke Präsenz beim Hören von Liszts Adaptionen von Liedern von Schubert auf. Ich hatte einen Platz weit vorne ergattert, und als die vierspurige Hauptverkehrsstraße sich ein wenig senkte, wirkte der breite Strom von Lichern im dämmrigen Grau, die hinab- und weiter vorne wieder hinauffuhren, wie ein grandioses Naturereignis größter Harmonie. Hier setzte die Präsenz ein, die dann lange anhielt.
Auch während des folgenden Unterrichts hielt dieser Zustand an, und ich bemerkte, dass in Unterrichtspausen (etwa als die Schüler eine Aufgabe lösten und ich derweil am Fenster stand und hinausschaute, oder auch in der Frühstückspause, die ich alleine im Labor verbrachte) sich wieder jenes bestimmte Gefühl meldete, welches ich dem magnetischen Zentrum zuschreibe, und welches ich während der letzten Jahre immer stärker wertschätzen gelernt habe, welches aber auch wie erinnerungslos ausradiert ist, wenn es nicht da ist. Es ist dies eine zarte Sehnsucht, ein Wissen darum, dass all die Phänomene um mich herum und in meiner Person nicht falsch aber eben doch völlig unzureichend dafür sind, “mich” zu finden. Letztendlich ist dies der Kernpunkt dessen, wohin es mich immer wieder zurückzieht - und welches mich auch seinerzeit zur Schule führte.
Mir fiel aber auch auf, dass in den letzten Monaten - und eigentlich des gesamten vergangenen Jahres - dieses Gefühl wie unter einer klebrigen Schicht verborgen war, die es nur ab und zu durchkommen ließ. Es wird anscheinend in diesen Tagen wieder etwas stärker. Die Gründe für seine Schwächung sehe ich zum Einen in der doch sehr lange andauernden und über Monate immer wieder aufkochenden Auseinandersetzung mit “alten Freunden” (was inzwischen bereinigt zu sein scheint), und zum Anderen in der großen beruflichen Belastung, die mir zumindest während der letzten zwei Monate weniger Freizeit ließ, als ich im Vorfeld geahnt hatte (dies hält noch an). Womöglich spielt beim heutigen Aufkommen dieses Gefühls auch das herbstliche Wetter eine Rolle, die Umstellung also vom “Außenmodus” auf den Innenmodus”.
Heute erhielt ich die Nachricht, dass ein Auftrag womöglich demnächst wegfallen wird, weil der Schüler nach England siedelt. Mein erster Reflex war: “Gut so! Endlich ein wenig Entlastung.”