Archiv für August 2007

Traum von der Wasserstadt

August 31, 2007

Ich befinde mich in einem Hafen oder einer Stadt mit ganz viel Wasser, und sitze auf einer Art gemauerten Insel. Die Stimmung ist irgendwie gespannt, so als würde demnächst etwas wichtiges passieren. Ich bin mit einem Dampfer hergekommen, und hatte vor, mit demselben Schiff wieder zurückzufahren, aber das Schiff fährt nicht sondern fällt aus. Ich habe ein kleines, gerahmtes Bild, das sehr wertvoll ist, und möchte es aufs Festland bringen, weiß aber nicht wie, weil kein Schiff mehr fährt. Ich setze es in eine Schüssel, die ich in eine Plastiktüte einbinde, so dass das Bild nicht nass wird. Ich setze das Paket ins Wasser und hoffe, dass es drüben ankommt.

Mit dem Traum kann ich nicht viel anfangen, wiewohl er sehr prägnant war. Das Gefühl einer in der Luft liegenden Bedrohung könnte ein Nachhall auf das gestern geschilderte Gefühl der Unfreiheit sein. Ebenso die Tatsache, dass das Schiff, auf das ich mich verließ, nicht fährt: das Schiff steht hier für die Zuverlässigkeit der Gesellschaft. Dennoch bricht im Traum das gefürchtete Unglück nicht aus, sondern ich suche eine eigene Lösung.Wofür das Bild steht, kann ich nicht sagen. Ich vermute, es ist eine Idee oder ein Weltbild, welches ich zu bewahren versuche.

Präsenz

August 30, 2007

Ich komme pünktlich zur Bushaltestelle, und she, dass da viele Leute stehen, der Bus also gleich kommen wird. Ich freue mich, dass alles so rund klappt. Der Bus kommt aber nicht - und der nächste auch nicht. Eine geschlagene Dreiviertelstunde stehe ich an dieser Haltestelle, und merke wie die Präsenz sich langsam aufbaut, genährt durch ein ebenso langsam aufsteigendes Gefühl des Ärgers und der Machtlosigkeit. Die verschlafene Selbstzufriedenheit, die anfangs dominierte, verschwindet zusehends. An einem gewissen Punkt verwandelt sich aber auch der Ärger in Schlaf und konterkariert die Präsenz.

Krankenkasse

August 30, 2007

Als ich am Abend nach hause komme, liegt ein dicker Brief von der Krankenkasse auf der Ablage: Meine neue Einstufung, nachdem ich meinen Steuerbescheid des letzten Jahres zugeschickt hatte. Der Klops: 800 € Nachzahlung. Einfach so.

Natürlich ist es ärgerlich, dass ich diese Nachzahlung leisten soll, zumal ich fast mein gesamtes Erspartes M. zur Verfügung gestellt habe für ihr Selbstständigkeitsprojekt. Aber es wird zu machen sein. Was mich aber wirklich ärgert oder mies fühlen lässt, ist die Tatsache, dass ich gar nicht weiß, wofür ich das zahle. Da hält einfach irgendjemand die Hand auf und fordert mich auf, ihm da einen Batzen Geld hineinzulegen. Der Krankenkassenbeitrag ist übrigens der größte Posten im Monat - und gleichzeitig auch der, von dem ich am wenigsten zurückbekomme. Natürlich brachte man mir bei, dass Sozialversicherungssysteme auf dem Prinzip der Solidarität beruhen, und dass die Starken die Schwachen zu stützen haben. Das ist auch in meinen Augen sinnvoll. Und natürlich zucke ich zusammen, wenn man mir sagt: Warte Du nur, bis Du mal krank bist.

Die Sache ist: Ich warte nicht, sondern treibe Sport, ernähre mich gesund und bemühe mich um meine Gesundheit. Vorsorge wird aber in keiner Weise honoriert. Und wenn ich mal doch zum Arzt gehe, dann ist es leider in der Regel so,dass meine Krankenkasse die Kosten dafür eben nicht trägt, sondern zusätzlich abschöpft. Gleichzeitig beobachte ich in meinem Bekanntenkreis, wie manche Leute zu irgendwelchen teuren Diagnosemaßnahmen, Kuren und sonstigem Zeugs geradezu genötigt werden - ohne dass dadurch irgendein Nutzen wahrnehmbar wäre (bzw. wodurch mitunter sogar Schaden angerichtet wird.).

Vor diesem Hintergrund wird die Sache ganz klar: Es geht hier weder um Gesundheit noch um Solidarität. Es geht einfach darum, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, indem ihnen vorgegaukelt wird, das müsse so sein - notfalls noch mit der Angstmache: “Warte, bis Du mal krank bist …”. Es ist ein riesiges Geschäft, das zum Selbstläufer geworden ist, weil es die Leute bei ihrer vielleicht empfindlichsten Stelle, der Gesundheit, packt und ausbeutet. Ich bin sicher, dass ich, wenn ich meine Krankenkassenbeiträge selbst ansparen würde, ich im Notfall jede nötige Therapie und Pflege aus dem Ersparten zahlen könnte, und dabei noch eine Menge übrig hätte.

Das hört sich wieder egoistisch und unsolidarisch an, ich weiß, aber es ist eben so, dass ich es zum Beispiel ebenfalls unsolidarisch finde, dass ein Großteil der Kinder sich mit irgendwelchem Zeugs vollstopfen, frühzeitig Diabetes bekommen, so dass sie regelmäßige und teure Insulingaben brauchen. Nur weil ein Großteil meiner Mitmenschen schlichtweg zu blöd ist, einigermaßen gesund zu leben, muss ich einen beträchtlichen Teil meines ohnehin mageren Einkommens für ihre Versorgung abzwacken - und das alles, wohl wissend, dass es da ganze Hundertschaften von Nutznießern gibt, die dieses Geld grinsend in die Tasche stecken, und deren allerletztes Anliegen ist, dass die Menschen gesund werden. Das ist, wie gesagt nur ein Beispiel von vielen.

Ich könnte stundenlang so weiterschreiben, aber das ist tatsächlich nicht Thema dieses Blogs.

Worauf ich hier hinaus möchte, ist das ungute Gefühl der Ohnmacht und der Unfreiheit, welches das alles in mir hinterlässt. Es belastet und entwertet mich und fühlt sich an wie ein Energieloch, an dem ich zunächst nichts ändern kann. Bei solchen Dingen fällt es mir dann schwer, mich äußerlich zu richten.

Präsenz

August 29, 2007

Die halbstündige Unterrichtspause verbringe ich auf dem verwilderten Uferstück an der Spree. Ich stehe unter den Bäumen, höre das Gerumpel der S-Bahn vom anderen Ufer und andere Geräusche, und beobachte, wie die vom Unterricht noch aufgewühlten Gedanken langsam zur Ruhe kommen. Sie laufen aus wie die Wellen, die ein vorbeifahrender Dampfer verursachte.

Präsenz

August 28, 2007

Am späten Nachmittag unternehme ich einen Spaziergang. Ich bin hungrig, friere ein wenig und bin obendrein etwas müde. Das alles lässt mich irgendwie klein und unbedeutend werden. Ich nehme diese Kleinheit intensiv wahr, und lasse sie gewähren.