Als ich am Abend nach hause komme, liegt ein dicker Brief von der Krankenkasse auf der Ablage: Meine neue Einstufung, nachdem ich meinen Steuerbescheid des letzten Jahres zugeschickt hatte. Der Klops: 800 € Nachzahlung. Einfach so.
Natürlich ist es ärgerlich, dass ich diese Nachzahlung leisten soll, zumal ich fast mein gesamtes Erspartes M. zur Verfügung gestellt habe für ihr Selbstständigkeitsprojekt. Aber es wird zu machen sein. Was mich aber wirklich ärgert oder mies fühlen lässt, ist die Tatsache, dass ich gar nicht weiß, wofür ich das zahle. Da hält einfach irgendjemand die Hand auf und fordert mich auf, ihm da einen Batzen Geld hineinzulegen. Der Krankenkassenbeitrag ist übrigens der größte Posten im Monat - und gleichzeitig auch der, von dem ich am wenigsten zurückbekomme. Natürlich brachte man mir bei, dass Sozialversicherungssysteme auf dem Prinzip der Solidarität beruhen, und dass die Starken die Schwachen zu stützen haben. Das ist auch in meinen Augen sinnvoll. Und natürlich zucke ich zusammen, wenn man mir sagt: Warte Du nur, bis Du mal krank bist.
Die Sache ist: Ich warte nicht, sondern treibe Sport, ernähre mich gesund und bemühe mich um meine Gesundheit. Vorsorge wird aber in keiner Weise honoriert. Und wenn ich mal doch zum Arzt gehe, dann ist es leider in der Regel so,dass meine Krankenkasse die Kosten dafür eben nicht trägt, sondern zusätzlich abschöpft. Gleichzeitig beobachte ich in meinem Bekanntenkreis, wie manche Leute zu irgendwelchen teuren Diagnosemaßnahmen, Kuren und sonstigem Zeugs geradezu genötigt werden - ohne dass dadurch irgendein Nutzen wahrnehmbar wäre (bzw. wodurch mitunter sogar Schaden angerichtet wird.).
Vor diesem Hintergrund wird die Sache ganz klar: Es geht hier weder um Gesundheit noch um Solidarität. Es geht einfach darum, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, indem ihnen vorgegaukelt wird, das müsse so sein - notfalls noch mit der Angstmache: “Warte, bis Du mal krank bist …”. Es ist ein riesiges Geschäft, das zum Selbstläufer geworden ist, weil es die Leute bei ihrer vielleicht empfindlichsten Stelle, der Gesundheit, packt und ausbeutet. Ich bin sicher, dass ich, wenn ich meine Krankenkassenbeiträge selbst ansparen würde, ich im Notfall jede nötige Therapie und Pflege aus dem Ersparten zahlen könnte, und dabei noch eine Menge übrig hätte.
Das hört sich wieder egoistisch und unsolidarisch an, ich weiß, aber es ist eben so, dass ich es zum Beispiel ebenfalls unsolidarisch finde, dass ein Großteil der Kinder sich mit irgendwelchem Zeugs vollstopfen, frühzeitig Diabetes bekommen, so dass sie regelmäßige und teure Insulingaben brauchen. Nur weil ein Großteil meiner Mitmenschen schlichtweg zu blöd ist, einigermaßen gesund zu leben, muss ich einen beträchtlichen Teil meines ohnehin mageren Einkommens für ihre Versorgung abzwacken - und das alles, wohl wissend, dass es da ganze Hundertschaften von Nutznießern gibt, die dieses Geld grinsend in die Tasche stecken, und deren allerletztes Anliegen ist, dass die Menschen gesund werden. Das ist, wie gesagt nur ein Beispiel von vielen.
Ich könnte stundenlang so weiterschreiben, aber das ist tatsächlich nicht Thema dieses Blogs.
Worauf ich hier hinaus möchte, ist das ungute Gefühl der Ohnmacht und der Unfreiheit, welches das alles in mir hinterlässt. Es belastet und entwertet mich und fühlt sich an wie ein Energieloch, an dem ich zunächst nichts ändern kann. Bei solchen Dingen fällt es mir dann schwer, mich äußerlich zu richten.